Feier der Versöhnung

„Hast Du schon gehört? Die in den katholischen Gemeinden machen dieses Jahr keinen normalen Bußgottesdienst mehr, sondern irgendwas Neues."

"Irgendwas mit Beichte! Was soll das denn sein? Und wie soll das denn gehen? Und ob man da dann überhaupt noch hinkann?“

Wir laden herzlich ein zur Feier der Versöhnung

  • in Mariä Verkündigung am 18. März 2018, 18:30 Uhr
  • in Herz Jesu am 21. März 2018, 18:30 Uhr

Ja, es stimmt, wir probieren etwas Neues. Und manche mögen durchaus sehr berechtigt die Frage stellen: Warum eigentlich? Das lief doch ganz gut so mit den Bußgottesdiensten bisher!?

Keine Frage – es lief bisher durchaus ganz gut mit den Bußgottesdiensten – und doch blieben zwei Fragen offen:

Mit der Beichte als Sakrament tun sich viele Christen schwer. Die Beichte entspricht in der Erlebensqualität für viele so in etwa dem jährlichen Zahnarztbesuch: Man weiß, man sollte hin, aber irgendwie ist es auch grad nicht so besonders angenehm – und dann lässt man es lieber sein. Dazu mag kommen, dass viele mit dem Sakrament Erfahrungen verbinden, die manchmal noch aus der eigenen Kinderzeit stammen – und die sind, zugegeben, nicht immer positiv. Da kann der Bußgottesdienst schon eine Möglichkeit sein, für sich persönlich Gewissenserforschung zu halten, sich auf die Umkehr zu besinnen, die eigenen Verfehlungen zu bereuen – ohne sich damit auf die Beichte selbst einlassen zu müssen.

Schade eigentlich – denn damit geht ein Sakrament verloren, von dem eine unsagbar heilende und befreiende Wirkung ausgehen kann – wenn man sich darauf einlässt. Und zu fragen bleibt dann natürlich schon, wieso man soviel Energie in die Vorbereitung der Erstkommunionkinder auf die Beichte hin investiert, wieso man im Glaubenskurs bei der Vorbereitung auf die Firmung den persönlichen Gesprächen so einen hohen Stellenwert beimisst – wenn dann die Beichte nicht mehr vorkommt. Bußgottesdienste, so wichtig und gut sie sind, wollen und können das Sakrament der Beichte nicht ersetzen – sondern sie sollten eigentlich darauf hinführen.

Da in einem Bußgottesdienst der sakramentale Charakter fehlt, kann auch nicht die persönliche Absolution erfolgen – und genau das ist eigentlich der entscheidende Punkt: Ich kann zwar bereuen, aber mir wird die Vergebung nur allgemein zugesagt. Wenn mich der Priester in Stellvertretung persönlich von meinen Sünden losspricht, hat das eine ganz andere Tiefendimension – und kann deshalb in einer anderen Art befreiend und heilend wirken.

„Naja gut – und wie soll das jetzt gehen?“

Erst einmal: Die „Feier der Versöhnung“ ist auch ein ganz normaler Bußgottesdienst – und man kann ganz normal an ihm teilnehmen. Keiner muss beichten, keiner muss das Gespräch mit dem Priester suchen. Andererseits: Man kann mit dem Priester sprechen, man kann die persönliche Absolution erhalten – aber es kann und will nicht das ausführliche Beichtgespräch ersetzen. Die „Feier der Versöhnung“ ist genau dazwischen angesiedelt.

Es gibt einen Wortgottesdienst, in dem eine Gewissenserforschung vorgesehen ist. Darauf folgt das allgemeine Schuldbekenntnis.

Dann – und das ist sozusagen das neue und zusätzliche Element – wird es eine Zeit geben, in der Priester an den verschiedenen Stellen in der Kirche zu einem Gespräch bereit stehen. Wer möchte – und nur, wer möchte, kann zu einem der Priester gehen und ihm die für ihn wichtigste Sache unter vier Augen persönlich sagen, auf die hin dann die persönliche Absolution erfolgen kann. Damit diese Phase in einem zeitlich überschaubaren Rahmen bleibt, ist von beiden Seiten eine Begrenzung auf das wirklich Wesentliche notwendig!
Wer den Segen für seinen persönlichen Neuanfang empfangen möchte, kann ebenfalls zu einem der Priester gehen und sagt zu ihm: „Ich bitte um den Segen…“ und der Priester legt die Hände auf und spendet den Segen.
Diejenigen, die dieses persönliche Gespräch nicht möchten, können währenddessen einfach in der Bank sitzen bleiben und sich die Zeit für sich und ihren Gott nehmen.
Die „Feier der Versöhnung“ endet dann mit einem gemeinsamen Abschluss.

Zugegeben – es ist neu für Lampertheim, es ist ungewohnt. Aber wäre es nicht möglicherweise einen Versuch wert? Könnte das, was wir dabei geschenkt bekommen könnten, es nicht rechtfertigen, es zumindest einmal zu versuchen?

Auch das Sakrament der Beichte will ein Sakrament sein, das uns stärken will. Und so könnte es gerade ein Zeichen von Stärke sein, sich diesem Sakrament wieder zu nähern.

Für Nachfragen stehen Ihnen die Mitglieder des Pastoralteams gerne zur Verfügung!
Ihr Pfarrer Patrick Fleckenstein

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