Haltung und Rückgrat

Pfarrer Patrick Fleckenstein hat sich von seinen Lampertheimer Gemeinden verabschiedet. In bewegenden Worten begründete er seine Entscheidung.

Nach der überraschenden Beurlaubung von Pfarrer Fleckenstein durch das Bistum Mainz, aufgrund gesundheitlicher Probleme, verabschiedete sich Pfarrer Fleckenstein nun innerhalb eines Gottesdienstens von seiner Gemeinde. 

Pfarrer Fleckenstein zog gemeinsam mit Dekan Peter Kern, Pfarrer Claus-Peter Stock, Pfarrer Angelo Stipinovich und Pfarrer Erhard Schmidt in die vollbesetzten Andreaskirche ein. Auch die Pater-Delp-Kapelle war überfüllt und viele Menschen standen noch im hinteren Teil der Kirche und auf der Empore. Zu groß war das Interesse daran, zu erfahren, weshalb der beliebte Pfarrer nun Abschied aus Lampertheim nimmt.

Zu Beginn des Gottesdienstes trug Pfarrer Fleckenstein der Gemeinde die Beweggründe für seine Entscheidung vor.  Und nun herrscht Klarheit über die Gründe für die Situation, die Pfarrer Fleckenstein selbst herbeiführte, aber nicht über die Beweggründe der Bistumsleitung, so mit Pfarrer Fleckenstein umzugehen und einen besonderen Menschen aus den Reihen der Kirche zu verlieren. 

Gleich zu Beginn des Gottesdienstes stellt Pfarrer Fleckenstein klar: "Es geht mir gesundheitlich gut und die Begründung des Bistums die Beurlaubung geschehe aus gesundheitlichen Gründen ist falsch". Auch habe er sich in den vergangenen Wochen seit Bekanntwerden der Beurlaubung bei niemandem gemeldet, da dies die Absprache mit der Bistumsleitung war. Dass diese während seines Urlaubs durch die Bekanntgabe seiner Beurlaubung gebrochen wurde, stieß auf sein Unverständnis.

Den Schritt sich für die nächsten 6 Monate beurlauben zu lassen und in Exerzitien zu gehen, um Klarheit zu gewinnen in welche Richtung sein Lebensweg gehen sollte, wurde von Pfarrer Fleckenstein selbst gewählt. Allerdings betonte er auch in seinem Statement, dass diese Entscheidung klar in Zusammenhang mit der Leitung im Bistum Mainz zusammenhängen.

Bereits seit dem Anbeginn seiner Laufbahn im Bistum, so berichtete er, kamen immer wieder Gerüchte um seinen Lebensstil und seine Lebensführung auf, Privates wurde zum Thema gemacht und mit Hörensagen ausgeschmückt. Auf Details ging Fleckenstein nicht ein. Die Zuhörer konnten aber erahnen, unter welchem Druck er war, denn egal in welcher Position Fleckenstein war - Priesteranwärter, Kaplan und nun Gemeindepfarrer: Sein Vorgesetzter wechselte stets mit ihm bis hin zum Generalvikariat und so waren die Gerüchte auch immer wieder Thema und ließen Zweifel an seiner Eignung als Pfarrer aufkommen.

Mehr als 10 Jahre dauerte dieses nun an, bis dann Pfarrer Fleckenstein in einem persönlichen Brief im Mai 2018 den Bischof um Hilfe bat, um die mehr und mehr anfallende Arbeit in Lampertheim bewältigen zu können. Dieser Brief kam laut Bistum nie in Mainz an. Pfarrer Fleckenstein betonte, dass dieser ganze Brief ein einziger Hilferuf war und er blieb einfach unbeantwortet.

In einem Gespräch mit Domkapitular Eberhardt aus dem Personalbüro bot Fleckenstein sogar an, einige Zeit in Namibia zu arbeiten, um die Situation zu entschärfen und mit dem Generalvikar bei Null anfangen zu können nach seiner Rückkehr. Doch dann kam es zu einer Einladung zum Personalgespräch mit dem Bischof Anfang Oktober, so Fleckenstein weiter: Dieses dauerte nur 20 Minuten. Und wieder wurden die Vorwürfe und Gerüchte, die bereits Thema beim Generalvikar waren, 1:1 Pfarrer Fleckenstein zum Vorwurf gemacht, so weiter in Fleckensteins Statement.

Pfarrer Fleckenstein steckt, nach eigenem Bekunden, in keiner Berufungskrise, aber sehr wohl empfindet er die Situation so, daß die beiden obersten Dienstherren im Bistum gegen ihn und seine Person arbeiten. „Entfaltung und Reifung muss möglich sein, dies könne aber bei den vielen Berührungspunkten mit Bischof und Weihbischof nicht möglich sein“, betont Fleckenstein. Also zog er daraus die Konsequenzen, damit er nicht als Mensch an dieser Situation zerbricht: Zunächst wird er 6 Monate beurlaubt sein, um für sich herauszufinden, wohin sein Weg ihn führen wird. Dies kann in Namibia sein, in einer anderen Diözese oder gar in einem anderen Berufsfeld. Zur Sicherheit wird Patrick Fleckenstein sein Lehramtsstudium beenden, um weitere Berufsmöglichkeiten zu haben.

Am Ende dankte Fleckenstein allen Menschen, die ihm in den letzten Wochen mit Zuschriften Mut gemacht haben. Aber er bedankte sich auch für die Menschen, die tagtäglich mit ihm arbeiteten: Ehrenamtler in den Gruppierungen, den Räten, vor allen Dingen dem Pastoralteam, aber auch allen Lampertheimern und sogar seinen Kritikern. Denn konstruktive und ehrliche Kritik könne zu etwas Gutem führen, so Fleckenstein zum Ende seiner Ausführungen.

Nach nicht enden wollendem stehendem Applaus für Fleckenstein sprach Gottfried Senftner in Vertretung aller Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte der Lampertheimer katholischen Gemeinden sein Bedauern über den Weggang aus. Er wolle die Hoffnung nicht aufgeben solch einen jungen Priester mit Visionen gehen zu lassen und hofft auf eine Rückkehr. Um seinem Wunsch mehr Druck zu verleihen rief er die anwesenden Menschen auf sich direkt an die Bistumsleitung per eMail (bischof(at)bistum-mainz.de)zu wenden und dem Bischof ihren Unmut über den Umgang mit Pfarrer Fleckenstein kund zu tun. 

Die weitere Messe zelebrierte auf Wunsch von Fleckenstein, Pfarrer Stipinovich. Dieser sprach seinem Freund und Mitbruder höchste Achtung aus. Er sprach vor einem Freund, "der Rückgrat und Haltung beweist". Im Anschluss an den Gottesdienst verabschiedete sich Fleckenstein im Portal der Kirche von jedem einzelnen Gottesdienstbesucher.

Fotos: Hannelore Nowacki