Brief des Pastoralteams zum Thema "Flüchtlingsarbeit"

Jeder von uns profitiert von einer globalisierten Gesellschaft: Die Kleidung, die wir tragen, wird oft in Asien produziert; Nahrungsmittel werden einmal um die Welt geflogen, bevor sie auf unseren Esstischen landen; Urlaub ist fast überall in der Welt zu genießen; die Liste lässt sich fortsetzen. Schön wäre es, wenn nur die positiven Effekte der internationalen Marktwirtschaft unser Leben beeinflussen würden.

Leider ist dies nicht so. Der verheerende Krieg in Syrien, eine Militärdiktatur in Eritrea und vor allem das Auseinanderklaffen von Reich und Arm im sogenannten "Nord-/Südgefälle"beeinträchtigt direkt und unmittelbar das Leben in Deutschland und auch in unserer Stadt Lampertheim.

Zur Zeit leben ca. 350 Menschen, die vor Terror, Krieg und Verfolgung (auch aus Glaubensgründen) geflüchtet sind, in unserer Mitte. Politisch und wirtschaftlich gibt es keine größere Herausforderung in unserer Zeit, als die Frage der Integration von Geflüchteten in unsere Gesellschaft. Dies ist keine politische Aussage sondern einfach Fakt.

Die Kirche lebt nicht am Rande einer Gesellschaft und sieht ihre Zuständigkeit nicht nur im Frommen und Heiligen. Die Kirche gehört in die Mitte der Gesellschaft und ist nach wie vor von Christus beauftragt, sich um arme und unterdrückte Menschen zu kümmern: "Was ihr dem geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Papst Franziskus ist diesbezüglich in seiner Botschaft sehr klar. Er ermahnt die Kleriker "den Stallgeruch der Schafe anzunehmen" und lädt die Gläubigen ein, Barmherzigkeit zu leben.

Wir, das Pastoralteam, sind der Überzeugung, dass es zu unseren Glaubenspflichten gehört, uns Menschen in Not anzunehmen und wo wir können zu helfen. Dies müsste selbstverständlich sein. Auch wissend, dass wir niemals alle Probleme die mit der "Flüchtlingsproblematik" in Deutschland verbunden sind, lösen können, sind wir der Überzeugung, dass wir einen pastoralen Schwerpunkt in der Flüchtlingsarbeit in Lampertheim setzen müssen.

Als Pfarrer habe ich in den letzten Wochen mehrere Gespräche mit anderen Pfarreien, mit dem Bistum Mainz und selbstverständlich auch mit der Stadt Lampertheim geführt. Anlehnend an Erfahrungen von anderen (wir müssen das Rad nicht neu erfinden!) bin ich überzeugt, dass Sprache der Schlüssel zur gelingenden Integration in unsere Gesellschaft ist. Je besser Menschen miteinander kommunizieren können, desto weniger Missverständnisse, auch kultureller Art, kommen auf.

Zusammen mit der Stadt Lampertheim haben wir entschieden, Kontakt mit einer Organisation namens "Teach first" (www.teachfirst.de) aufzunehmen. Diese Organisation stellt uns seit Mitte September/Anfang Oktober 2016 zwei junge, hochqualifizierte, diplomierte Männer über zwei Jahre zur Verfügung, um Sprachkurse und die Integrationsarbeit in unserer Stadt zu unterstützen.

Sehr dankbar bin ich für das offene Ohr und die Kooperation der zuständigen Personen der Stadt Lampertheim.

"Nichts im Leben ist umsonst", sagt ein Sprichwort. Um den Lebensunterhalt der Fellows zu bezahlen, werden auch wir unseren Beitrag leisten. Eine Fellow-Stelle wird von der Stadt Lampertheim finanziert und eine von unseren Gemeinden und auch die Diözese Mainz wird ihren Beitrag dazu leisten. Die Kosten für die Kirche belaufen sich auf ca. 35 000€ im Jahr.

Wir, das Pastoralteam, haben uns das Ziel gesetzt, diese Kosten soweit wie möglich über die Aquirierung von Spenden zu decken. Hierbei geht es uns nicht nur um das Geld. Vielmehr geht es uns um das christliche Prinzip der Solidarität. Wir wollen hiermit ein deutliches Zeichen setzen, dass wir als Kirche in Lampertheim unsere Verantwortung und unseren Auftrag in der Gesellschaft wahrnehmen. Wir können nicht nur Nächstenliebe und Barmherzigkeit predigen. - Beides will und muss gelebt werden.

Die "Flüchtlingsproblematik" wird zwangsläufig in den nächsten Jahren nicht nur die Politik und Wirtschaft beschäftigen, sondern auch unsere Glaubensgemeinschaft im Alltag betreffen. Das pastorale Engagement für Verfolgte und Unterdrückte wird nicht nur punktuell geschehen, sondern kontinuierlich aufgebaut. Es wird notwendig sein, immer wieder um Spenden dafür zu bitten, Aktionen zur Unterstützung dieser Arbeit zu organisieren und grundsätzliche Gespräche, wenn auch kontrovers, in den Gruppen und Gremien unserer Gemeinde zu führen. Einen kleinen Beginn haben wir bereits mit dem Konzert des Medizinerorchesters aus Mainz gesetzt. Hier haben wir für die Flüchltingsarbeit bereits 652€ an Spenden erhalten.

Wir sind im Bilde darüber, dass bereits viele Menschen in unserer Stadt sich in der ehrenamtlichen Flüchltingshilfe engagieren. Ein herzliches "Vergelt`s Gott" hierfür. Auf dieser Basis und in enger Kooperation mit dem Bistum Mainz und der Stadt Lampertheim wollen wir unsere pastorale Arbeit aufbauen. Wir vertrauen auf die Unterstützung und den christlichen Geist unserer Gemeinden. Lasst uns die Botschaft Jesu Christi in unserer Zeit verkünden und mit unserem Handeln glaubwürdiges Zeugnis ablegen.

Ihr Pastoralteam

Pfarrer Patrick Fleckenstein,

Pfarrer Virginius Grigutis, Pfarrvikar

Birgit Bongiorno, Gemeindereferentin